Zur Unterstützung meiner Diplomarbeit bat ich Johnny Haeusler vom Spreeblick um die Beantwortung ein paar Fragen zu seinem Weblog und zu Weblogs allgemein. Spreeblick.com wird ein Beispiel sein, an dem ich die Funktionsweise und ‘Macht’ privater Blogs in meiner Diplomarbeit erläutern werde. Schließlich ist der Spreeblick das momentan erfolgreicheste deutschsprachige Weblog (laut blogscout)..
Bist Du Dir als sog. ‚A-Blogger’ einer gewissen Gatekeeper- & Meinungsbilder-Funktion bewusst?
Ich trage eine Verantwortung für das, was ich schreibe, na klar, aber das tue ich bei 10 Lesern wie bei 10.000. Ich habe mich ja selbst nie zum “A-Blogger” oder “Gatekeeper” ernannt. Offenbar interessiert viele Menschen, was auf Spreeblick erscheint. Das freut mich, aber man darf das auch nicht überbewerten. Ich glaube, jedes Blog kann ein Teil der Meinungsbildung der Leser sein und einen Beitrag leisten, so auch Spreeblick.
Wird das ‚Phänomen Weblog’ Deiner Einschätzung nach in der jetzigen Form Bestand haben?
Es wird sich einpendeln. Und etwas, das zu einer Normalität gelangt ist, ist kein Phänomen meh
Wie schätzt Du den Nutzen von Weblogs im unternehmerischen Umfeld ein, bezogen auf die Anwendung unternehmensintern als auch –extern?
Tja. Kann ein schnelles und billiges Intranet sein, oder? Unternehmen haben es bisher kaum geschafft, Transparenz und Ehrlichkeit auf ihrer Website darzustellen, wieso sollte es ihnen mit Blogs plötzlich gelingen? Ein bloggendes Unternehmen kann sehr spannend sein, aber ich bin nicht sicher, ob die Unternehmen dafür schon reif sind.
Geschäftsidee Spreeblick Verlag:
Kannst Du bitte kurz etwas zu der Entwicklung der Zugriffszahlen auf Deinem Blog „Spreeblick” sagen? Wie sieht die Entwicklung der anderen Spreeblick-Verlag Blogs aus?
Spreeblick läuft stetig besser. Derzeit, was wahrscheinlich nicht repräsentativ ist, liegen wir bei knapp 100.000 Leser/-innen am Tag. Wird sich bei 10.000 einpendeln, denke ich. Zahlen, auch der anderen Blogs, sind aber für jedermann unter http://counter.blogscout.de einsehbar.
Ab wann war das Bloggen für Dich mehr als ein Hobby? / Wann hattest Du die Idee aus dem Hobby eine Geschäftsidee zu achen?
Ende 2004, als ich durch den Jamba-Fall gemerkt habe, dass viel Potential in dem Meidum steckt, es aber viel Einsatz und Zeit brauchen würde, um dieses Potential auszunutzen. Ih habe schon immer gerne meinen Lebensunterhalt mit Dingen verdient, die ich gerne tue, die Idee lag daher nahe.
Wie würdest Du die Leser Deines Weblogs „Spreeblick” beschreiben? / Gibt es eine ‚Zielgruppe’, die Du direkt versuchst anzusprechen?
Nö. Jeder, dem Spreeblick gefällt, ist willkommen. Das allein ist ja Gemeinsamkeit genug.
Wie wird die Kommerzialisierung von Teilen der Blogosphäre aufgenommen? - Hatte die Einbindung von Werbung / Sponsoring Auswirkungen auf die Zahl der Leser?
Am Anfang befürchteten ein paar Leser/-innen einen “Ausverkauf”. Da dieser nicht statgefunden hat, haben sich die meisten beruhigt. Die Zahlen gehen konstant nach oben, Einbrüche durch Werbung hat es nicht gegeben.
Der Fall „Jamba”:
Warst Du Dir bewusst / hast DU gehofft, dass Dein „Jamba-Kurs” in etwa das auslösen würde, was es im Endeffekt ausgelöst hat? (letztendlich Absetzung von Klingeltonwerbung auf MTV - indirekt)
Ich hatte gehofft, dass der Artikel durch den Stil bei Jamba-Kunden ankommt und auch von Eltern gelesen wird. Dass sich Jamba selbst einschaltet und damit für noch mehr Wirbel sorgt konnte keiner voraussehen. Dass sich ein bisschen etwas bewegt hat, hat mich natürlich sehr gefreut.
Wie war die Entwicklung der Zugriffszahlen / Verlinkungen zu dieser Zeit?
Damals haben wir noch nicht wirklich mitgezählt, aber nachdem SpOn uns verlinkt hatte, stand der Server für ein paar Tage unter sehr starkem Beschuss. Innerhalb von ein paar Tagen waren eine knappe Million Leute bei uns.
Würdest Du sagen, dass Du ohne den Beitrag „Jamba-Kurs” eine ähnliche Popularität in der deutschen Blogosphäre hättest?
Keine Ahnung. Die “Du bist Deutschland”-Debatte hat auch viel gebracht. Und jetzt das dämliche Video… Wenn das alles nicht gewesen wäre, wäre sicher alles anders gekommen, na klar.
Willst Du noch was loswerden?
Nee, dafür habe ich ja Spreeblick. :)
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Vielen Dank, Johnny.